Innsbruck: Prachensky-Hommage zum 70er

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Einer der ganz großen österreichischen Gegenwartskünstler ist derzeit mit einer Personale auf der "Kunstbrücke" der Raiffeisen-Landesbank Tirol in Innsbruck zu Gast: Markus Prachensky zeigt Werke aus den Jahren 1953 bis 2001. Die Schau ist bis 20. September zu sehen.

Die am Montagabend eröffnete Retrospektive versteht sich als Hommage zum 70. Geburtstag des Künstlers, als Ausdruck höchster Wertschätzung und Bewunderung für ein Werk, das aus österreichischer Tradition kommend und aus dieser zu interpretieren, dennoch absolut international geartet ist.

Querschnitt durch 50 Jahre

Die von Georg Loewit (RLB-Arts) und dem Galeristen Klaus Thoman kuratierte Ausstellung umfasst 25 großformatige Arbeiten aus den Werkzyklen "Konstruktionen" der frühen fünfziger Jahre, aber auch selten öffentlich gezeigte Bilder aus der Los-Angeles-Serie der sechziger Jahre, den Serien "Etruria" (80-er Jahre) und "Hongkong Ramble" (2000). Sie bietet somit einen informativen Schaffensquerschnitt aus einem halben Jahrhundert.

Nach einigen frühen - den Einfluss Mondrians verratenden - "geometrischen" Bildern von 1954/55 bricht Prachensky knapp ein Jahr später, mit "Rouge differents sur Noir - Liechtenstein" unvermittelt aus dem strengen Formkorsett aus und offenbart mit der abstrakten Expressivität seines unverwechselbaren Rot, das wie der mächtige Pinselstrich fortan sein vitales Markenzeichen werden soll, seine ureigene malerische Handschrift; es ist die große Freiheit in Rot, für die er nun in einer schier unerschöpflichen Variabilität immer neue Form- und Farbkombinationen findet.

Konstruktivistisches Element

In vielen dieser Arbeiten kommt auch das konstruktivistische Element des Architekten zum Durchbruch, der nach eigenen Worten "zwar Architektur studiert, jedoch nie gebaut" hat. Eine sehenswerte Fortsetzung und Ergänzung dieser Schau bildet die unweit parallel veranstaltete Ausstellung in der Galerie Thoman.

Auch in der Österr. Galerie

In seinem heurigen Jubiläumsjahr widmet auch die Österreichische Galerie im Oberen Belvedere dem wichtigsten Vertreter des abstrakten Expressionismus und Informel dieses Landes eine umfangreiche Retrospektive, die 2003 in die Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz übersiedeln wird.

Studium in Wien

Markus Prachensky, 1932 in Innsbruck als Sohn des renommierten Malers und Architekten Wilhelm Nicolaus Prachensky geboren, ging schon als Zwanzigjähriger nach Wien, um an der Akademie der Bildenden Künste bei Lois Welzenbacher Architektur und ab 1953 Malerei zu studieren, wurde 1957 Mitglied der Wiener Secession, arbeitete in Paris, Hamburg, Berlin und Stuttgart und übersiedelte 1967 für zwei Jahre nach Los Angeles.

In der Folge unternahm er viele Reisen nach Italien sowie in den Nahen und Fernen Osten, die durch zahlreiche Bilder dokumentiert sind. 1983 wurde er Professor an der Wiener Akademie der Bildenden Künste, wo er die Meisterschule für Malerei leitete. Hohe Auszeichnungen sowie eine Vielzahl bedeutender Ausstellungen begleiteten seinen Lebensweg.

Tipp:

"Die große Freiheit in Rot", Personale zum 70. Geburtstag von Markus Prachensky, RLB-Kunstbrücke Innsbruck, 2. Juli bis 20. September, Informationen: 0512/5305-3546
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