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derStandard.at | Newsroom | Kultur | Bildende Kunst 
11. November 2009
20:40 MEZ

Galerie 5020, Sigmund-Haffner-Gasse 12, 5020 Salzburg. Bis 19. 12.

 

Ideologie auf dem Seziertisch
Salzburg: Markus Proschek hat nazistische Leitmotive aufgebahrt und in einer dichten Installation analytisch verkettet

Schrubben, bis die Haut ganz rot ist: Die Angst vor der Vermischung und der Beschmutzung der "Rasse" äußerte sich im Nationalsozialismus auch in übertriebener Hygiene: Buben beim Baden - Fotos aus einer NS-Jugendzeitschrift.

Markus Proschek, Jahrgang 1980, spürt in seinen Arbeiten immer wieder den ästhetischen Strukturen jener Zeit nach - besonders jenen, die noch irgendwo fortleben, die nicht offensichtlich sind. Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken: Dieser Titel einer Kippenberger-Arbeit bringt dies Symptom, dem auch Proschek nachgeht, auf den Punkt.

In den 1930er Jahren erteilte die Gauleitung Josef Thorak den Auftrag für eine Skulptur: Sie steht noch immer vor dem Salzburger Landeskrankenhaus. Rassenköpfe, die sich noch lange im Haus der Natur wiederfanden. Abfotografiert oder abgegossen transferiert Proschek diese Relikte in seine Installation Anlage M, die sich platten Tadel und vordergründige Symbolik verkneift.

Dort bricht Proschek nazistische Leitmotive und legt sie auf den Seziertisch, der jenem aus dem KZ Buchenwald nachempfunden ist. Für die NS-Gesellschaft steht das starke, gleichgeschaltete Kollektiv eines Bienenstaats, Fliesen für alle Orte, die mit Erziehung zu tun haben. Ein dichte, analytisch starke Bedeutungskette. (kafe/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2009)

 

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